alternative. Zeitschrift für Literatur und Diskussion

Eine »Zeit- und keine Ewigkeitsschrift«: Die alternative, von 1958 bis 1982 in Westberlin verlegt, verstand sich als Medium kritischen Eingreifens. Im Umfeld der Protestbewegung gegen die drohende nukleare Aufrüstung der Bundesrepublik fusionierten die kleinen Magazine Visum und Lyrische Blätter zu der »Zeitschrift für Literatur und Diskussion«. Ihr Anspruch war es, »Alternativen zur sprachlichen und existenziellen Indifferenz« Raum zu geben. Zunächst stand besonders der literarische Austausch zwischen Ost und West im Fokus der vierteljährlich erscheinenden Hefte, deren Herausgeberschaft 1964 an die Germanistin Hildegard Brenner überging. Mit ihr verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend in Richtung theoretischer Diskussionen und Einführungen: Aus teils vergessenen Archiven des Westlichen Marxismus und der linken Ästhetik der 1920er und 1930er Jahre rekonstruierte die alternative einen Kanon materialistischer Literaturtheorie, der Kunst mit sozialer Wirklichkeit und Wissenschaft mit Gesellschaft vermitteln sollte. Dabei öffnete sich die Zeitschrift für Ansätze wie den französischen oder tschechischen Strukturalismus, den russischen Formalismus oder die feministische Psychoanalyse. Die junge Redaktion, zu der um 1968 unter anderem Helga Gallas, Heinz Dieter Kittsteiner und Helmut Lethen gehörten, dokumentierte fortlaufend Kontroversen, artikulierte eigene Standpunkte und suchte »Chancen auf Praxis« in den Kultur- und Bildungsinstitutionen der Bundesrepublik.

 

Moritz Neuffer

ZfL Berlin