Theodor W. Adorno Archiv, Frankfurt am Main, Signatur Un 112/4

Theodor W. Adornos Gutachten für Angela Davis

Gezeigt wird hier der Empfehlungsbrief, den Theodor W. Adorno am 20. Dezember 1966 für die amerikanische Studentin Angela Davis schrieb. Sie wurde wenige Jahre später als Bürgerrechtlerin weltbekannt. 1944 in Birmingham, Alabama geboren, hatte sie schon als College-Schülerin an Seminaren von Herbert Marcuse teilgenommen, der am Department of Political Science an der Brandeis University in Waltham, Massachusetts lehrte. 1963/64 studierte Davis französische Literatur an der Pariser Sorbonne. Sie kehrte nach Brandeis zurück und begann ein Studium der Philosophie. Auf Empfehlung und Vermittlung von Marcuse kam Davis im Wintersemester 1965/66 an die Universität von Frankfurt am Main und besuchte unter anderem Adornos Vorlesungen und Übungen.

 

Jason L. Saunders, der Professor of Philosophy und Graduate Adviser an der University of California (San Diego) in La Jolla war, hatte Adorno am 2. Dezember 1966 um »information […] relevant to her qualifications as a student and her ability to do research work at the Ph.D. level« gebeten. Daraufhin schrieb Adorno das Gutachten über Davis, das hier reproduziert ist.

 

Wenn Davis’ Doktorarbeit, wie von Adorno in seinem statement angeführt, »Freiheit als ästhetische Kategorie in den Werken von Kant und Schiller« zum Gegenstand haben sollte, so hat sie, die 1967 in die USA zurückkehrte, ihren Plan modifiziert. Die von Marcuse betreute doctoral dissertation bekam den Titel »Kant’s Analysis of Violence in the French Revolution«.

 

Michael Schwarz

Walter Benjamin Archiv, Akademie der Künste, Berlin