Cuadernos de Pasado y Presente. Nr. 6. Córdoba; CeDInCI Buenos Aires

Cuadernos de Pasado y Presente Nr. 6

Pasado y Presente (Nr. 1: Apr./Jun. 1963 – Nr. 9: Sept, 1965) war eine Zeitschrift, die dreimal jährlich in der argentinischen Provinz Córdoba erschien und von jungen Mitgliedern der Kommunistischen Partei Argentiniens (Partido Comunista Argentino) gegründet wurde, zu denen Oscar del Barco, José Aricó, Héctor Schmucler und Juan Carlos Portantiero zählten. Zentrale Anliegen der Zeitschrift waren die Kritik der Kommunistischen Partei (aus der ihre Begründer direkt nach der ersten Ausgabe herausgeworfen wurden), die Verbreitung des italienischen Marxismus (von Antonio Labriola und Rodolfo Mondolfo bis Palmiro Togliatti, Galvano della Volpe und v.a. Antonio Gramsci – der Name der Zeitschrift ist eine Hommage an ihn, er bezieht sich auf einen Band der Gefängnishefte, der mit Passato e presente betitelt ist –, die Debatte über einen bewaffneten Kampf für die Machtübernahme sowie über das Verhältnis von Kultur und Politik. Im Jahr 1968 gründeten José Aricó, Oscar del Barco, Juan José Varas und Santiago Funes den Verlag Pasado y Presente, der hauptsächlich die Reihe Cuadernos de Pasado y Presente herausbrachte, die sich zu einem dauerhaften Verbreitungsorgan des kritischen Marxismus in Argentinien und Lateinamerika entwickelte. Viele ihrer Titel hatten bis zu 24 Neuauflagen, wie etwa der Eröffnungsband, eine allgemeine Einführung in die politische Ökonomie von Karl Marx, dessen Erstauflage im März 1968 erschien.
Die im März 1969 publizierte Nummer 6 der Reihe, vorbereitet und größtenteils auch übersetzt von Aricó, war eine Zusammenstellung verschiedener Artikel (verfasst von André Gorz, Ernest Mandel, Antonio Lettieri und Paolo Santi, Gilles Martinet und André Barjonet), die ursprünglich in Les Temps Modernes und in Problemi del Socialismo veröffentlicht worden waren. Dieses Heft enthielt außerdem einen dokumentarischen Anhang: »El PSU frente a la crisis« [Die PSU (Partido Socialista del Uruguay) in der Krise] von Manuel Bridier vom 8. Juni 1968, eine Podiumsdiskussion bei Radio Luxemburg vom 17. Mai 1968, an der Alain Geismar, Jacques Sauvageot und Olivier Castro teilnahmen, und den »Informe al Comité Central del PCF« [Bericht an das Zentralkomitee der PCF (Partido Comunista Francés)], mit der Angabe 8.-9. Juli 1968, Nanterre.
Das Kunstwerk auf dem Cover von Heft 6, eine mit dem Halftone-Verfahren erstellte Fotomontage, rückt mit dunklen Lettern die Frage »Francia 1968: ¿una revolución fallida?« [Frankreich 1968: eine gescheiterte Revolution?] in den Mittelpunkt und beantwortet diese teilweise im Prolog, der mit »Advertencia« [Vorwarnung] betitelt und im Namen der Zeitschrift mit »Pasado y Presente« unterschrieben ist. Dieser Prolog liefert eine kurze Auswertung der Fakten und hebt die Bedeutung der Ereignisse des Mai 1968 in Frankreich hervor, indem gezeigt wird, dass sie die Debatte über eine revolutionäre Partei angestoßen haben, mit der Möglichkeit einer Rückwirkung auf die Dritte Welt. Der Prolog bestätigt: Wenn im Mai 1968 in Frankreich alles möglich war (»todo era posible«), ist noch immer alles möglich (»todavía todo es posible«).

 

Virginia Castro und Eugenia Sik, CeDInCI Buenos Aires
(Übersetzung aus dem Spanischen von Lydia Schmuck)

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