26–27

April

Ereignis und Geschichte. 1968 und die Geschichtsphilosophie

  • 09:30–18:00

  • Deutsches Literaturarchiv Marbach

Eine Tagung im Rahmen des internationalen Archivforschungsprojekts »1968: Ideenkonflikte in globalen Archiven«

Gefördert aus Mitteln der VolkswagenStiftung

Die Erfahrung, die die Geschichtsphilosophie motiviert und ihr anhaltende Aktualität verleiht, ist die Unverfügbarkeit des historischen Prozesses. Das Bedürfnis, der Geschichte einen Sinn zu geben, sich in ihr zu verorten, ihren Verlauf zu verstehen und prognostizieren zu können, durchwirkt die großen geschichtsphilosophischen Entwürfe von Kant, Hegel und Marx sowie implizit auch ihre Kritiken im 20. Jahrhundert. Insbesondere historische Situationen, in denen es möglich erscheint, im emphatischen Sinn »Geschichte zu schreiben«, sind geschichtsphilosophisch aufgeladen. »Tragödie oder Farce«, »Kulmination oder Umschlag«, »verpasste oder ergriffene Chance« sind nur einige der Denkfiguren, mit denen solchen Perioden zeitgenössisch und nachträglich Sinn beigemessen wird.

1968, mehr Chiffre als Datum, war eine solche Situation, in der scheinbar auf der ganzen Welt – von Paris und Berlin über Berkeley und New York nach São Paulo und Buenos Aires – Menschen begannen, nicht mehr Objekte, sondern Subjekte von Geschichte zu sein. Als globales Ereignis lassen sich an ihm paradigmatisch die Grundfragen und -probleme der Geschichtsphilosophie ablesen. Nicht nur im Politischen, sondern auch in der Literatur und der Kunst – man denke an Peter Bürgers Arbeiten über die Avantgarde oder Arthur C. Dantos Neuauflage der These vom »Ende der Kunst« – verdichteten sich um 1968 noch einmal zahlreiche geschichtsphilosophische Denkfiguren. Wenig später wurden im Geiste der sogenannten Postmoderne zunächst die »großen Erzählungen« verabschiedet und dann, nach 1989, gar das »Ende der Geschichte« ausgerufen.

Das durch die VolkswagenStiftung geförderte Forschungsprojekt »1968: Ideenkonflikte in globalen Archiven« nimmt das 50jährige Jubiläum von 1968 zum Anlass, erneut über die Geschichtsphilosophie als Modus historischer Sinngebung nachzudenken und darüber zu diskutieren. Der Schwerpunkt soll dabei nicht nur auf den Ereignissen in Deutschland liegen, sondern auch Frankreich, die USA, Lateinamerika und die Karibik mit einbeziehen. Mit welchen Denkfiguren wurde 1968 historisch verortet? Welche ideengeschichtlichen Traditionslinien wurden evoziert? Welche Grundfragen der Geschichtsphilosophie lassen sich an den Debatten ablesen? Welche Differenzen zeichnen das geschichtsphilosophische Denken kulturgeographisch aus? Wo zeigen sich, über Grenzen hinweg und quer zu den ideologischen Lagern, überraschende Übereinstimmungen? Neben aktuellen Diskussionen und klassischen Texten der Geschichtsphilosophie bieten dafür die Gelehrtenarchive im Deutschen Literaturarchiv Marbach umfangreiches Material.

 

Mit Paul Fleming, Susanne Komfort-Hein, Fabio Akcelrud Durão, Ludwig Siep, Barbara Hahn u.a.

 

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